

Erbenermittlung trifft Geschichte
EIN FALL, DER UNTER
DIE HAUT GEHT
Manche Fälle bleiben im Gedächtnis. Dieser hier hat sich eingebrannt. Es ging nicht um Geld, nicht um Erbscheine, nicht einmal direkt ums Erben. Es ging um 42 junge Männer, die vor über 100 Jahren mit zwei U-Booten im Ersten Weltkrieg untergegangen waren. Und um die Frage: Gibt es heute noch jemanden, der von ihnen erfahren sollte? Wir haben ja schon vieles erlebt in unserer Arbeit. Aber dieser Fall war anders - und hat uns mal wieder gezeigt, warum Erbenermittlung manchmal auch Erinnerungsarbeit ist.
Der Anruf, der alles ins Rollen brachte
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge kontaktierte uns mit einer ungewöhnlichen Bitte: Zwei U-Boot-Wracks waren vor Zeebrügge gefunden worden. An Bord – die Besatzungen. 42 junge Männer, gefallen im Ersten Weltkrieg, die bis heute dort unten lagen. Seekriegsgräber. Jetzt sollte eine Gedenkzeremonie stattfinden. Aber man wollte nicht einfach nur Blumen ins Wasser werfen. Man wollte, dass Angehörige eingeladen werden – echte Menschen, mit echter Verbindung zu den Gefallenen. Aber wie findet man Angehörige, wenn es nur einen Namen und einen Geburtsort gibt? Wenn "Wilhelm Schwarz, Berlin" alles ist, was man hat?
Einer fängt an – und steckt alle an
Unser Kollege und Historiker Eddi nahm sich der Sache an. Er forschte, kombinierte, rekonstruierte. Aus einem Namen wurde eine Biografie. Aus einem Geburtsort ein Lebensweg. Und plötzlich hatte er sie - aus Namen wurden ganze Schicksale.
Aber das war erst der Anfang. Denn jetzt ging es darum, die heutigen Angehörigen zu finden. Nicht Ehepartner, denn die meisten U-Boot-Matrosen waren (da sehr jung) ledig. Also suchten wir die Nachkommen der Geschwister, die entfernten Verwandten – Urgroßneffen, Großnichten, Cousins dritten Grades.
Ein Team, eine Mission, eine Deadline
Die Zeit drängte. Die Zeremonie auf See war geplant. Also bildeten wir eine Taskforce. Zehn Kolleginnen und Kollegen übernahmen einzelne Schicksale. Es ging nach Polen. Nach Dänemark. Nach Schlesien. Und immer wieder in Archive, in Sterberegister, in alte Adressbücher. Manche Familien wussten nichts mehr. Andere waren tief berührt. Eine Familie reiste zur Gedenkfeier an – und stand mit Tränen in den Augen an der Stelle, wo ihr Vorfahre untergegangen war.
Es ging ums Erinnern
Der Volksbund war dankbar. Es gab eine offizielle Ehrung, eine Medaille, eine Urkunde. Aber das war nicht das Entscheidende. Entscheidend war das Gefühl:
„Wir waren die Letzten, die noch nach ihnen gefragt haben.“
Bei der Erbenermittlung geht es nicht nur Paragrafen und Quoten, sondern auch um Schicksale, um Geschichte, um Menschen, die sonst vergessen wären.
Wir glauben: Wenn wir solche Geschichten nicht erzählen – wer dann?
Wenn Sie wissen wollen, wie Erbenermittlung manchmal Geschichte lebendig macht, oder wenn Sie selbst ein familiäres Rätsel haben – sprechen Sie uns an.

